Innovationen aus Weser-Ems

Mobilität gewährleisten

Fokus Mensch

Mit dem Fokus auf die „Menschen“ sieht Weser-Ems im Themenfeld „Mobilität gewährleisten“ folgende Handlungsansätze:

1. Verständnis entwickeln
Es ist sinnvoll, zunächst überhaupt ein umfassendes Bild über den ÖPNV herauszuarbeiten und diesen aus Sicht der Nutzer zu denken: Welche Anforderungen an einen ÖPNV haben Verbraucher, ältere Menschen, Kinder, Berufspendler, Touristen etc. in der Region? Es gilt, alle (potenziellen) Nutzergruppen zu berücksichtigen und zunächst klar zu definieren. Schnittstellen und Synergien zwischen den verschiedenen Nutzergruppen können
so stärker berücksichtigt werden.

2. Soziale Teilhabe sichern
Mobilität ist nicht nur für die Erreichbarkeit entscheidend, sondern auch Schlüssel zur sozialen Teilhabe. Angebote für Bevölkerungsgruppen ohne eigenen PKW (Ältere, Personen mit geringem Einkommen, Migranten) sind daher wesentlich.

Die Barrierefreiheit muss in Zukunft eine noch größere Rolle spielen, wenn die Mobilität insbesondere älterer und eingeschränkter Menschen in allen Teilregionen sichergestellt sein soll. Hier ist die frühzeitige und abgestimmte Einbindung hinsichtlich der unterschiedlichen Aspekte von Barrierefreiheit entscheidend.

Fokus Innovation

Mit dem Fokus auf „Innovation“ stehen für Weser-Ems folgende Handlungsansätze im Vordergrund:

3. Neue und umweltfreundliche Mobilitätsangebote
Neue Mobilitätsformen sind auch unter klimaschonenden Gesichtspunkten geboten, z. B. eine weitere Ausbreitung von Car-Sharing in Weser-Ems oder Bedarfsabruf-Modelle.

In Verbindung mit Leistungen der Gesundheitsversorgung sollte das Modell des Patientenbusses in kommunalübergreifender Zusammenarbeit bei geeigneten Rahmenbedingungen weiterverfolgt werden, trotz heterogener Erfahrungen.

Das automatisierte bzw. autonome Fahren insbesondere für ältere Menschen, die nicht mehr selber fahren, ist eine ernsthafte Zukunftsperspektive für die Daseinsvorsorge. Es könnte theoretisch sogar die Lösung für das ÖPNV-Dilemma auf dem Land sein, wenngleich noch nicht zeitnah. Forschungen zum autonomen Fahren
werden weiter zunehmen. Weser-Ems ist hier gegenüber innovativen Lösungen aufgeschlossen und eignet sich grundsätzlich als Modellregion.

Innovative Vorhaben in Verbindung mit Elektromobilität zielen eher auf umweltfreundliche Antriebsalternativen als auf bessere Erreichbarkeit ab. Gleichwohl können diese beiden Ziele im Verbund entwickelt werden bei Differenzierung zwischen motorisiertem Individualverkehr und öffentlichem Verkehr. Neben Elektro-Bussen im
städtischen Raum sollte deren Potenzial auch im ländlichen Raum erprobt werden.

Die Sensibilität für umweltfreundliche Mobilität wächst. Diese Chance gilt es, mit innovativen Mobilitätslösungen zu nutzen. Beispiel: Die Aufgeschlossenheit bei Unternehmen für „Jobtickets“ ist mittlerweile vorhanden und sollte genutzt werden.

4. „Letzte Meile“-Lösungen
Eine besondere Herausforderung stellt die Organisation der „letzten Meile“ dar, also der Bewältigung der Strecke vom ÖPNV-Anschluss zur „Haustür“. Innovative Lösungen sind hier insbesondere für eingeschränkte Personen notwendig, um eine möglichst hohe Erreichbarkeit und Mobilität aller Zielgruppen und Teilräume im Sinne der Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Das können flexible Bus-Dienste oder auch besondere Qualitäten für den Radverkehr sein (sichere Abstellmöglichkeiten, Mitnahmemöglichkeiten im ÖPNV etc.).

Vor allem in Städten stellen Wirtschaftsverkehre und hier besonders KEP-Dienste (Kurier-, Express- und  Paketdienste) eine zunehmende Belastung dar. Auch hier stellt sich die letzte Meile als größte Herausforderung dar. Die Erarbeitung von City-Logistik-Konzepten und die Umsetzung von darauf basierenden Maßnahmen
werden daher von großer Bedeutung sein.

Insgesamt stecken in der multimodalen Verknüpfung von ÖPNV, motorisiertem Individualverkehr, Fahrrad, E-Mobilität und digitalen Plattformen noch eine Reihe innovativer Ansätze für die Region. Generell sind weitergehende Verknüpfungen von öffentlichen, privaten und innovativen Mobilitätsangeboten erstrebenswert, auch in Verbindung mit innovativen digitalen Auskunftssystemen und neuen Mobilitätsdienstleistungen „on demand“.

Sicherstellung der Daseinsvorsorge meint nicht nur die eigene Mobilität, sondern auch die Nutzung neuer mobiler Dienste. Neben mobiler Versorgung können auch technologische Innovationen der automatisierten Lieferung in Zukunft interessanter werden (City-Hub, autonome Lieferfahrzeuge, hauseigene Packstationen).

5. Information und Kommunikation
Die Kommunikation von ÖPNV- bzw. Mobilitätsangeboten ist häufig noch ungenügend. Die Angebote sind bei potenziellen Nutzern immer noch zu unbekannt. Darüber hinaus hat der ÖPNV ein Imageproblem. Eine regionale Informations- und Marketingstrategie für den ÖPNV könnte zur allgemeinen Attraktivitätssteigerung beitragen.
Parallel dazu sind die Entwicklung intelligenter, kommunal- und verkehrsträgerübergreifender digitaler
Plattformen zur Information über Mobilitätsangebote in Echtzeit unterstützenswert. Dabei können u. a. Mobilitätszentralen als Auskunftsportale, insbesondere in Verbindung mit neuen digitalen Diensten, neue Funktionen übernehmen. Eine zentrale Rufnummer für ÖPNV- und Mobilitätsauskünfte in Weser-Ems ist erstrebenswert.

Fokus Kooperation

Mit dem Fokus auf „Kooperation“ werden im Themenfeld „Mobilität gewährleisten“ folgende Handlungsansätze als wesentlich angesehen:

6. Schiene-Bus-Grundnetz schaffen
Ein „Schiene-Bus-Grundnetz Weser-Ems“ könnte die Basis für die Entwicklung des ÖPNV und ergänzender Mobilitätsangebote bilden. Konkrete Aufgaben wären der Diskurs und die Entwicklung einer Karte zum „Schiene-Bus-Grundnetz Weser-Ems“ mit primären Achsen, auf denen Buslinien in der Region verlaufen, die festgelegte
Qualitätsanforderungen erfüllen. Das meint etwa Stunden-Taktung, Haltepunkte-Standards, Barrierefreiheit, Kommunikations-Standard (WLAN), Verknüpfungen mit „untergeordneten“ Buslinien an Knoten- und Endpunkten, Fahrgastinformationen (Echtzeit-Daten), Beschwerde-Management.

Als neues „Format“ hat das Land Niedersachsen gemeinsam mit den ÖPNV-Aufgabenträgern u. a. potenzielle Strecken für Landesbuslinien untersucht und ein Förderinstrument für die Umsetzung bereitgestellt. Ziel ist es, die Regionen bedarfsgerecht in den ÖPNV einzubeziehen und an die überregional bedeutsamen Bahnknoten anzubinden. Weitere Landesbuslinien werden in Weser-Ems insbesondere dort angestrebt, wo keine  Schienenverbindung existiert.

In diesem Kontext ist auch eine Nutzung von Schiene- und Bus-Angeboten mit nur einem durchgängigen Ticket erstrebenswert; Weser-Ems könnte Pilotregion für den einheitlichen Tarif mit einer einheitlichen (digitalen) Zahlungsweise über alle Verkehrsträger werden, ggf. auch auf Basis des „Niedersachsentarifs (NITAG)“.

7. Planungen abstimmen
Wesentliches Planungs- und Steuerungsinstrument für die Entwicklung des ÖPNV ist der Nahverkehrsplan. Die zurzeit in der Region stattfindende Fortschreibung der Nahverkehrspläne bietet die Möglichkeit, verstärkt
innovative Angebote und neue Anforderungen der Daseinsvorsorge zu berücksichtigen. In dem Zusammenhang
ist eine stärkere regionale Abstimmung der Nahverkehrspläne der einzelnen Aufgabenträger in Weser-Ems erstrebenswert.

ÖPNV und Mobilitätsangebote müssen bei kommunalen und regional relevanten Planungen frühzeitig, ganzheitlich und interdisziplinär „mitgedacht“ werden, z. B. sollte keine Entwicklung von Wohngebieten ohne ÖPNV-Anschluss erfolgen. Ebenso sollte eine ÖPNV-Anbindung bei neuen Gewerbegebieten mitgeplant werden, damit Unternehmen z. B. (nicht mobile) Auszubildende besser gewinnen können. Das bedeutet eine engere ressortübergreifende Zusammenarbeit der Verkehrsplanung mit anderen Fachplanungen und Initiativen.

Auch aufgrund wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sind zunehmend gebietskörperschaftsübergreifende intermodale Mobilitätskonzepte, unter besonderer Berücksichtigung von Pendlerstrukturen, erforderlich.

Die Landkreise und kreisfreien Städte in Weser-Ems stehen als Aufgabenträger zunehmend vor dem Problem, rechtssicher innovative Mobilitätsangebote zu entwickeln bzw. zulassen zu dürfen angesichts gesetzlicher Rahmenbedingungen und wettbewerbsrechtlicher Verfahren. Diesem Innovationshemmnis könnte durch
regionalen Austausch und durch ein gemeinsames politisches Vorgehen begegnet werden.

8. Potenzial Fahrradverkehr nutzen
Der Fahrradverkehr hat einen besonderen Stellenwert in Weser-Ems. Regionale Ziele sind die bessere Verknüpfung von Schiene-Bus-Systemen mit dem Fahrradverkehr (z. B. Fahrradboxen an Haltestellen,  Ladestationen für E-Bikes, Fahrradmitnahmemöglichkeiten im Bus etc.), sowie der Ausbau innerörtlicher Radinfrastruktur.

Auch die Verzahnung mit dem weiteren infrastrukturellen Ausbau des Radverkehrs ist wesentlich, insbesondere im Hinblick auf Radschnellwege und Velorouten.